Ich will hier keine „großen Wahrheiten“ verkünden und fische nicht nach „Followern“, auch wenn ich mich natürlich freue, wenn mir jemand „folgt“. Es geht mir vor allem um Austausch und darum, auf diesem Weg gegenseitig voneinander zu lernen. Deswegen sind für mich „Likes“ allein nicht so wichtig. Es können und sollen auch widerstreitende Meinungen nebeneinander stehen bleiben; fruchtbare Kontroversen sind willkommen. Dogmen, sogenannte unumstößliche Wahrheiten oder Vorurteile werden wir so behandeln, wie sie es nach unseren Grundsätzen verdienen. Das Gleiche gilt für reine Hasskommentare oder offensichtlich böswillige Kritik.
Leitmotiv ist das Ringen um Wahrheit als gemeinsame Anstrengung von mir als Betreiber und meinen Lesern und Mitsuchenden.
Wir werden auch Ideen zu anstehenden oder geplanten Projekten vorstellen.
Das nächste wird „Schmerzensfrauen“ heißen:
Gedanken und Texte zu Ingeborg Bachmann, Marilyn Monroe, Prinzessin Diana und Romy Schneider. Alles Frauen, die Welterfolg und Ruhm erfuhren und dennoch relativ jung tragisch endeten. Als Arzt und Therapeut interessiert mich die Frage: Wie konnte das passieren?
Manche Biografen schreiben, sie seien an ihrer Zeit und gewissen Erwartungen an die Frauenrolle gescheitert. Das ist natürlich wichtig. Aber greift das nicht zu kurz? Das Argument mit den Zeitumständen stimmt immer und wäre auch für zeitgenössische Schicksale gültig. Aber reicht das, um individuelle Tragödien zu verstehen?
Unser Anliegen ist, genau das zu beleuchten. Gab es besondere Umstände in der privaten Biografie oder der Persönlichkeit, die das tragische Ende der Genannten befeuerten?
Erfolgreiche Stars von heute wie etwa Madonna gehen mit ihren Partnerproblemen, ihrem Sex oder der Beziehung zu sich selbst anders um als die oben erwähnten, eher zerbrechlichen, selbstgequälten und selbstschädigenden Frauen. Nämlich selbstbestimmter, härter, erfolgreicher und „durchinszenierter“ – Stichwort Taylor Swift –, wobei natürlich auch heutzutage tragische Verläufe vorkommen – Stichwort Amy Winehouse – oder schwer zu bewertende, nur angedeutete – Beispiel Billie Eilish.
Tragik enthält etwas zutiefst Menschliches, das auch viel mit Verletzlichkeit, geschwächtem Siegerwillen und Glücksstreben sowie dem Scheitern an sich selbst zu tun hat.
Mit perfekter Inszenierung, Selbstoptimierungsideologie und dem Kult der Stärke ist diese Tragik unter die Räder gekommen oder verborgen und in den Hintergrund gedrängt worden, aber nicht aufgehoben.
Tina Turner ist hierfür ein Beispiel. Ihr ist aus einer höllischen Beziehung der Befreiungsschlag hin zu einer selbstbestimmten Karriere gelungen. Aber wie zuletzt bekannt wurde, wurde dafür auch ein hoher Preis in Form ruinierter Gesundheit gezahlt, nicht zuletzt aufgrund rücksichtsloser Selbstausbeutung.
Michael Jackson wäre ebenfalls ein Beispiel für „unterbelichtete“, „geschönte“ oder übertönte Tragik – vielleicht werden wir darüber noch mehr schreiben.
Pressespiegel
Wir werden auf unserer Seite in unregelmäßigen Abständen auch mediale Veröffentlichungen aufgreifen und kommentieren.
Der SPIEGEL berichtete in seinen letzten Ausgaben über junge Rapperinnen. Eine davon ist die heute 28-jährige Ikkimel, geboren 1997 in Berlin-Tempelhof. Der Artikel über sie (SPIEGEL 26/2026) zeigt keinerlei Leidensdruck oder Schmerz. Eher zeigt er, dass sie mit allem klarkommt. Es ist zu lesen, dass sie studierte und auch mit einer entsprechenden Karriere geliebäugelt hat. Sie scheint ohne inneren Druck zu leben, ohne Gewissensbisse oder Selbstzweifel, hingegeben an ihre hedonistischen Vorlieben und ihre Musik. Damit kam sie auch über den Krebstod ihres Vaters hinweg, wie beiläufig erwähnt wird.
Die andere ist Juju, geboren 1992, Tochter eines marokkanischen Vaters und einer deutschen Mutter, aufgewachsen in Berlin-Neukölln, allein mit ihrer Mutter. Sehr erfolgreich, früher mit dem Duo SXTN. Sie erzählt davon, dass sie lange wusste, dass etwas mit ihr nicht stimmt, aber nicht, was. Dabei spielte auch die Überforderung im Trubel des Erfolges eine Rolle, gefolgt von einer Auszeit. Sie sagt, es sei ihr trotz des großen Erfolges nicht gelungen, ihr Leben zufriedenstellend zu organisieren. Sie sei depressiv geworden und habe Albträume bekommen. Eine Therapie habe ihr anfangs nicht geholfen. Orientierung habe ihr gegeben, dass sie die Diagnosen ADHS und Autismus erhielt, obwohl diese sich teilweise widersprechen. Vieles, was im Leben nicht geklappt habe, ließ sich darauf beziehen. Es setzte ein Lernprozess ein: zu wohnen, Ordnung zu halten und Pausen zu machen.
Es hat mich gefreut, zu lesen, dass ihr dabei einiges gelungen ist. Für mich zeigt es auch, dass ihre Diagnosen kein unverrückbares Schicksal sind. Mit hartnäckigem, geduldigem Lernen lässt sich einiges erreichen. Dazu gibt es wichtige Beiträge des Neurowissenschaftlers G. Hüther. Es wird ja auch von „Spektrumsstörungen“, „Divergenzen“ oder „Neurodiversität“ anstatt von Krankheiten gesprochen.
Heute sind die genannten Diagnosen schnell zur Hand. Sie stellen allerdings eine Herausforderung dar, „trotzdem“ etwas aus seinem Leben zu machen. Der Weg, den Juju eingeschlagen hat, erweckt Hoffnung und ermutigt. Der Bericht im SPIEGEL 30/2026 ist nicht zuletzt aus der Sicht eines Psychotherapeuten und Arztes ein wichtiger Beitrag dazu.
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